„Eigentlich wollten wir Springpferde züchten“

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Foto: Carolin Diederich

Carola und Burkhard Groß-Seibel im Porträt

Nachdem Carola Groß-Seibel und ihr Ehemann Burkhard (Vöhl) selbst nicht mehr in den Sattel stiegen, entschlossen sie sich zu züchten. Holsteiner Springpferde sollten es auf jeden Fall sein. Dass dabei eines der erfolgreichsten deutschen Dressurpferde herauskommt, hätte wohl keiner geglaubt. Doch im Leben kommt es ja bekanntlich oftmals anders als man denkt.

1994, während eines Grömitz-Urlaubes, entdeckten Carola und Burkhard Seibel bei Klaus Behrens sen. im ostholsteinischen Beschendorf ein Stutfohlen von Caletto I-Carneval-Fasolt. „Caletta hat uns auf den ersten Blick gefallen“, erzählt Carola Groß-Seibel. Die braune Stute brachte bei ihren neuen Besitzern vier Fohlen zur Welt. Eines davon ist Le Noir (v. Leandro-Caletto I-Carneval). Der Rapphengst, der zuletzt das (Dressur-) Publikum vorm Wiesbadener Schloss verzauberte.

Ihre ersten drei Lebensjahre verbrachte Caletta auf der Weide im nordhessischen Vöhl am Edersee. Von Anfang an stand fest, dass sie in der Zucht bleiben sollte. Also wurde die Stute, die aus dem eher unbekannten Holsteiner Stamm 8804 hervorgeht, lediglich angeritten und bekam anschließend fünfjährig ihr erstes Fohlen von Leandro, welches ins Ausland verkauft wurde und dort heute als Springpferd erfolgreich unterwegs ist. Die Anpaarung gefiel Groß-Seibels gut, sodass im zweiten Zuchtjahr wieder ein Hengstfohlen von Leandro fiel: Le Noir. Der junge Rapphengst wusste von Geburt an, sich zu präsentieren. „Egal wohin wir kamen, er zog die Menschen sofort in seinen Bann. Stets mit gespitzten Ohren und ohne Berührungsängste – ein echter Sympathieträger“, erinnert sich die Züchterin im Gespräch mit PFERDESPORT Journal. So ließen die Kaufangebote nicht lange auf sich warten. Gemeinsam mit der heutigen Besitzerin, Christiane Herzog, erwarb der Korbacher Tierarzt Dr. Hubert Trienekens, der Caletta rund ein Jahr zuvor besamt hatte, das prämierte Hengstfohlen im Alter von drei Monaten. Bei Dr. Trienekens verbrachte Le Noir in der Junghengstherde seine Jugend. 2003 wurde er beim Zuchtverband für deutsche Pferde (ZfdP) in Kreuth gekört und legte drei Jahre später seine Hengstleistungsprüfung in Neustadt/Dosse mit einem Gesamtindex von 116,63 Punkten ab. Seine Dressurveranlagung war auch damals schon nicht zu übersehen. Mit 128,46 Punkten in der Dressur verließ er die Prüfung als Reservesieger. In 2008 wurde Le Noir ebenfalls vom Pferdezuchtverband Rheinland-Pfalz-Saar anerkannt. „Dr. Trienekens hat immer an Le Noir geglaubt und ihn in die richtige Richtung gefördert. Ohne ihn wäre er heute wahrscheinlich nicht da, wo er jetzt ist“, meint Carola Groß-Seibel.

Rang 1 der Holsteiner Dressurpferdezüchter dank Le Noir

Von Tochter Bryndis Trienekens angeritten und bis zur Klasse M ausgebildet, verkaufte Dr. Trienekens die Hälfte des Hengstes an die Mitbesitzerin Christiane Herzog (Ockenheim). Herzog konnte die rheinland-pfälzische Dressurreiterin Uta Gräf (Kirchheimbolanden) für Le Noirs weitere Förderung gewinnen. Die beiden legten gemeinsam das hin, was der Volksmund eine Blitz-Karriere nennt: In 2009 erreichte das Paar bereits Siege in nationalen S-Dressuren und den sechsten Platz im Finale des Nürnberger Burgpokals, ein Jahr später gelang der Einstieg in den Grand-Prix-Sport und in 2011 siegten sie unter anderem in Marbach, Münster und Nürnberg. Inzwischen gehen über 50 S-Siege auf das Konto von Uta Gräf und Le Noir. Damit ist der Hengst derzeit das erfolgreichste Holsteiner Dressurpferd und beschert Carola Groß-Seibel den ersten Platz im Ranking der Holsteiner Dressurpferdezüchter. Bei ihrem jüngsten Auftritt im Wiesbadener Schlosspark ließ das Paar die Konkurrenz hinter sich und siegte sowohl im Grand Prix als auch in der Kür. Bei den deutschen Meisterschaften in Balve wurden sie zweimal Siebte.

Nach Le Noir brachte Caletta noch drei weitere Fohlen zur Welt. Die Hengste, Landjunge, Quinar und den Vollblüter Heraldik xx hatten die Züchter für ihre Stute ausgesucht. Das erfolgreichste der drei Hengstfohlen ist heute der Heraldik xx-Nachkomme Hot Legs. Unter Nadine Marzahl (Munster) qualifizierte sich der dunkelbraune Wallach in 2011 für das Bundeschampionat der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde. In der Einlaufprüfung belegten sie noch einen aussichtsreichen zweiten Platz hinter Michi Jung, doch in der Finalqualifikation schied das Paar nach einem Missgeschick am Wasser überraschend aus.

Kein Stutfohlen aus Le Noirs Mutter

Ihre letzte Trächtigkeit überlebte Caletta nicht. Das ersehnte Stutfohlen war mit der Stute im Mutterleib verwachsen, sodass weder Stute noch Fohlen gerettet werden konnten. „Leider hat Caletta uns kein Stutfohlen gebracht. Das ist für uns als Züchter natürlich sehr schade, schließlich soll es ja auch in Zukunft weitergehen“, so Carola Groß-Seibel. Nach dem Verlust ihrer Erfolgsstute begaben sich Groß-Seibel erneut auf die Suche nach einer Zuchtstute. Und wieder wurden sie in Beschendorf fündig. Wieder bei Klaus Behrens sen. kauften sie ein Stutfohlen aus der Mutterlinie von Le Noir. Loran und Cassini II führt die heute fünfjährige Schimmelstute im Pedigree, die im vergangenen Jahr den Freispringwettbewerb im nordhessischen Bad Arolsen für sich entscheiden konnte. „Eigentlich war Lorana- genauso wie Caletta – für uns als Zuchtstute gedacht, aber schon ihre ersten Turniere ließen erkennen, dass sie Spaß am Sport hat“, erzählt Carola Groß-Seibel. Deshalb soll sie in diesem Jahr auch noch im Sport bleiben. An ihre Erfolge aus dem letzten Jahr hat Lorana in dieser Saison bereits angeschlossen. Mit ihrem Reiter Jan Kersting ist das Wunschziel der Saison die Qualifikation zum Finales des Bundeschampionats im September. „Den Plan, Lorana als Zuchtstute einzusetzen, haben wir erst einmal auf Eis gelegt“, erklärt Burkhard Seibel. Damit es in der Seibel’schen Zucht weitergeht, führte die Züchter der Weg wieder gen Norden – und wieder nach Beschendorf. Mitgebracht aus Holstein haben sie jenes Mal die Mutter von Lorana. Die Cassini II-Stute hat vor wenigen Wochen ein Fohlen von Cormit zur Welt gebracht. Der Abstammung zur Folge reines Springblut. Aber im Leben kommt es ja bekanntlich immer anders als man denkt…

Carolin Diederich

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