Riekes Hengstschmiede

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Fotos: C.Diederich
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Thomas Rieke im Portrait

Einmal im Leben mit dem Holsteiner Siegerhengst an der Hand durch die Holstenhallen in Neumünster zu laufen, das ist der Traum vieler Züchter. Davon geträumt hat auch Thomas Rieke. Für den Hengstaufzüchter aus dem westfälischen Bad Oeynhausen ist es bei der vergangenen Körung in Erfüllung gegangen. Getragen von Standing Ovations führte er Quvee Prestige, den umjubelten Siegerhengst, durch das Neumünsteraner Oval.

Angefangen hatte alles vor rund 20 Jahren. Durch den Kontakt zu Peter Nagel-Tornau, der zu dieser Zeit noch im Sauerland lebte, kam Thomas Rieke zu den Holsteiner Pferden. Zunächst als Springreiter, einige Jahre später bereits als (Auf-)Züchter. 1997 kaufte Rieke dann das erste Holsteiner Hengstfohlen. „Ich erinnere mich noch gut an die Anfänge. Kaum einer der Züchter war dazu bereit, einem No-Name-Kunden wie mir Hengstfohlen zu verkaufen – jedenfalls nicht die Fohlen, welche ich haben wollte“, erzählt Thomas Rieke. Ein Jahr später konnte er bei Hans-Hinrich Hansen in Ottenbüttel gleich zwei Fohlen erwerben. Zwei Contender-Söhne, die Thomas Rieke seinen ersten großen Erfolg als Aufzüchter und Austeller in Holstein bescheren sollten. Im Jahr 2000 fuhr er mit diesen beiden Hengsten nach Neumünster. Ein positives Körurteil erhielten beide. Zum einen war das Chello I v. Contender-Sandro-Cor de la Bryere. Der andere war Colander v. Contender-Landgraf I-Caletto II. Beide wechselten anschließend den Besitzer. Colander ging damals in das Gestüt „Im Niedern“ und Chello verlieb zunächst beim Holsteiner Verband. Nach diesem Erfolg kaufte Thomas Rieke pro Jahr drei bis vier Fohlen von renommierten Züchtern wie zum Beispiel den Familien Brinkmann und Meyer zu Hartum oder aber Josef Unkelbach aus Köln, dem Züchter von Eurocommerce Berlin.

Klasse statt Masse
Thomas Rieke wird bei seiner Arbeit mit den Hengsten von seiner Frau Patricia unterstützt. Die beiden managen die Junghengste bei der Vorbereitung auf die Körung in alleiniger Regie. Und das gelingt ihnen äußerst gut. „Uns ist es wichtig, die Pferde ständig im Blick zu haben. Eine Massenabfertigung kommt nicht in Frage“, da sind sie sich einig. Aus diesem Grund nimmt Rieke – neben seinen eigenen Hengsten – auch nur eine begrenzte Zahl an Junghengsten in die Vorbereitung. Individuelles und schonendes Training ist die Philosophie der Riekes.

Der Durchbruch kam mit Quidam’s Rubin
Das Jahr 2001 sollte für Patricia und Thomas Rieke ein gutes werden. Mit zwei vielversprechenden Hengsten machten sie sich auf den Weg zu den Vorauswahlen. Der Contender-Landgraf I-Sohn Carland (Z.: Claus-Albert Hein, St. Margarethen) wurde zugelassen und später auch gekört. Riekes eigenes Zuchtprodukt, der Quidam de Revel-Landgraf I-Sohn Quidam’s Rubin, zeigte sich am Tag der Auswahl nicht optimal und wurde nicht zugelassen. „Quidam’s Rubin war zu diesem Zeitpunkt vielleicht noch etwas schmächtig, gegenüber den anderen Hengsten ein wenig zurück. Aber geglaubt habe ich immer an.“ Deshalb ist Rieke mit dem Zweieinhalbjährigen weiter nach Westfalen gefahren. Dort wurde er zugelassen und auch gekört. Zu Quidam’s Rubin habe er eine besondere Beziehung gehabt. Nicht nur, weil er ihn selbst gezogen habe, sondern auch, weil er ein besonderes Pferd gewesen ist. „Schon als ganz junges Pferd hatte er einen tollen Charakter. Sehr ausgeglichen und dabei arbeitswillig.“ Und dabei habe er anfänglich gar nicht mehr daran geglaubt, aus seiner Landgraf-Stute Lamante überhaupt ein Fohlen zu bekommen, denn Quidam’s Rubin ist mittels Embryo-Transfer entstanden. Mit Lamante (Z.: Manfred Noetzel, Schashagen) hatte Rieke sich seinen Traum von einer Landgraf-Stute erfüllt. Bei Wulf Rolf in Lütjensee fand er sie als dreijährige. „Sofort hatte ich mich in Lamante verliebt. Ein Bild von einem Pferd, langbeinig, dunkelbraun, mit einem super-schönen Gesicht drauf.“ Die Stute ging selbst im Sport, zunächst mit ihrem Besitzer, dann unter Karl Brocks 1999 beim Bundeschampionat, wo Rieke sie an Paul Schockemöhle verkaufte. Im selben Jahr brachte die Tägerstute Quidam’s Rubin zur Welt. Damit hatten die Riekes nicht mehr gerechnet. Denn von den zwei gewonnen Embryos wuchs der erste nicht an. Doch einige Wochen später flatterte ein Fax der Tierklinik ins Haus: Herzlichen Glückwunsch! Ihre (Träger-)Stute „Frieder-Rieke“ (benannt nach den Besitzern des Embryos) hat den Embryo von Lamante und Quidam de Revel angenommen.

Auf der Insel Föhr fündig geworden
Mit Quidam’s Rubin wuchsen die Leidenschaft und das Interesse am Blut des Quidam de Revel. Auf der Internetseite des Jungzüchterclubs Föhr fand Thomas Rieke eine Liste der erwarteten Fohlen für das Jahr 2009. Auf dieser Liste stand auch der Name Gerd Ohlsen. Und dass Ohlsen eine Stute von Quidam de Revel tragend habe. Doch das Fohlen war begehrt und ein anderer Käufer schnappte es Rieke vor der Nase weg. Das wollte der Hengstaufzüchter aber nicht auf sich sitzen lassen: „Im nächsten Jahr komme ich wieder. Und wenn Sie ein Quidam-Hengstfohlen haben, dann werde ich es kaufen!“ Das war der Deal. Und so kam es auch. Rund ein Jahr später rief Gerd Ohlsen in Bad Oeynhausen an und verkündete, dass seine Cento-Stute aus dem Stamm 18A2 ein Hengstfohlen von Quidam de Revel zur Welt gebracht habe. Am darauffolgenden Tag setzten sich die Riekes ins Auto und fuhren auf die Insel Föhr. „Das Fohlen war vier Tage alt und lag im Stroh als wir die Box öffneten. Aber der Funke war sofort übergesprungen.“ Die Verhandlungen waren langwierig, aber am Ende wurden sich beiden Parteien einig.

„Das Gefühl von Quidam’s Rubin war wieder da“
Als Quvee Prestige als Absetzer im Herbst 2010 seine Box bei den Riekes bezog, war er eher schmächtig und ziemlich klein. „Aber er war immer schick und hat sich von Anfang an toll bewegt. Das Gefühl von Quidam’s Rubin war wieder da“, erinnert sich Thomas Rieke gern. Die Arbeit mit Quvee Prestige habe jeden Tag Spaß gemacht. Er habe immer mitgemacht und Alles gegeben, schwärmt er. Und das bestätige sich auch beim Auswahltermin für die Körung. Der Hengst zeigte sich sensationell. Die „Fahrkarte“ für Neumünster hatte er in der Tasche. An den Körtagen überschlugen sich die Ereignisse schließlich. Schon beim Freispringen am Mittwoch zeigte sich Quvee Prestige von seiner besten Seite und hielt diese Form bis zum Samstag. Schnell avancierte er zum Publikumsliebling der Körung. Er war das Pferd, über das die Zuschauer im positiven Sinne sprachen. Und das sah auch die Körkommission so. Zuchtleiter Thomas Nissen über den Siegerhengst: „Er ist ein Springpferd durch und durch. Quvee Prestige hat zudem ein makelloses Exterieur und verfügt über drei sehr gute Grundgangarten.“
Jetzt hieß es: Nerven behalten! Die Kaufangebote blieben natürlich nicht aus und Patricia und Thomas Rieke mussten eine Entscheidung treffen. Auktion oder nicht? Nach reiflicher Überlegung unterschrieb Rieke die Auktionsanmeldung. Für 260.000 Euro wechselte Quvee Prestige schließlich in polnischen Besitz der Wechta Company. Den Holsteiner Züchtern bleibt er aber vorerst erhalten. Denn der Siegerhengst hat auf der Station Hell in Klein Offenseth seine Box bezogen.

Für die Zukunft
Seit einigen Wochen haben die neuen Nachwuchshoffnungen ihre Boxen bei Thomas Rieke bezogen. Drei Holsteiner Jungspunde mit vielsprechenden Abstammungen sind es in diesem Jahr. Ein Caretino-Sohn (Stamm 18A2) aus der Zucht von Hans Groth, Friedrichskoog, ist zum Beispiel auch dabei. Sein Vollbruder wechselte kürzlich über Paul Schockemöhles PSI-Auktion den Besitzer. In der Box nebenan steht ein Sohn des Casall. Auch er stammt aus einer bekannten Familie. Seine Mutter, eine Corrado-Contender-Stute, ist die Vollschwester zu Pia Estelle, der Mutter von Quadros. Und auch für die Körung 2014 hat Thomas Rieke schon einen potentiellen Kandidaten erworben. Es ist ein Jährling von Quidam de Revel-Nekton-Carthago-Caletto II aus dem Stamm 162. Ein wohlklingendes Pedigree für jedes Züchterohr. Und wenn man weiß, dass e sich bei der Caletto II-Stute um keine geringere als Ulrike Pöhls‘ einstiges Erfolgspferd Ulika handelt, klingt es noch besser.
Der Weg bis zur Körung ist lang und steinig, das weiß jemand wie Thomas Rieke natürlich aus eigener Erfahrung. Doch er freue sich auf die Arbeit mit den neuen Hengsten, so Rieke. Und wer weiß, vielleicht kehrt ja bei einem Hengste das Gefühl von Quidam’s Rubin und Quvee Prestige nochmal zurück.  

Carolin Diederich

über Quidam’s Rubin
Quidam’s Rubin (*1999) wurde mittels Embryo-Transfers gezeugt. Sein Züchter Thomas Rieke wollte sich das Erbgut der Landgraf-Stute Helvecia (Stamm 144) trotz ihres Sporteinsatzes sichern. Der Quidam de Revel-Sohn fand den Weg in den Zuchteinsatz über die westfälische Körung in Münster-Handorf. Dort wechselte er auch in den Besitz des Gestüts Sprehe aus Löningen. Innerhalb kurzer Zeit fand er in nahezu allen deutschen Zuchtgebieten ebenfalls Anerkennung. Der Oldenburger Verband zeichnete ihn sogar mit 1a-Hauptprämie aus. Seine Mutter Helvecia v. Landgraf I-Caletto I-Farnese war unter ihrem Sportnamen HanseDom Lamante bis S***-Springen erfolgreich (LGS 22.000 Euro). Sowohl den 30-Tage-Test als auch die 70 tägige Prüfung verließ Quidam’s Rubin als Springsieger. Beim 70-Tage-Test schloss er sogar als Gesamtsieger mit 146 Punkten ab. Viel zu früh – im Alter von acht Jahren – verstarb der Hengst. Zwei Operationen aufgrund von Hodenbrüchen und eine folgende Darmverschlingung überlebte er nicht. 727 FN-eingetragene Sportpferde, 241 Zuchtstuten (davon 17 Staatsprämien) und 28 gekörte Hengste gehen auf das Konto von Quidam’s Rubin. Die meisten sind allerdings in Oldenburg und Hannover eingetragen. In Holstein wurde er nur wenig genutzt. Einen gekörten Sohn gibt es aber auch in Holstein: Quasto v. Quidam’s Rubin-Corrado I-Caletto I aus der Zucht von Heinrich Schaumburg, Bad Wildungen.

BU1: Sie arbeiten Hand in Hand: Patricia und Thomas Rieke kümmern sich in alleiniger Regie um die gesamte Aufzucht und Vorbereitung ihrer Hengste.
BU2: Für Holsteiner Jungzüchter-Nachwuchs haben die Riekes mit ihrem Sohn Frederik auch schon gesorgt.

Termine

04. 02. 2017

Am 4. Februar 2017 werden sich die Holsteiner Verbandshengste in ...

04. 02. 2017

11.00 Uhr Körbezirk Auswärtige Mitglieder,Neumünster, ...

15. 02. 2017

Am 15. Februar um 18.30 Uhr ist es wieder soweit: In Paderborn findet ein ...