Ein amerikanischer (Pferde-)Traum

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(c) Jeff Lennan
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Barabra Ellison
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(c) Jeff Lennnan
Wild Turkey Farm im Porträt

Wo vor rund zehn Jahren nichts als Haselnussbäume standen – und das auf mehr als 215 Hektar – hat Barbara Ellison ihren Traum von einem Zucht-, Ausbildungs- und Turnierstall verwirklicht. Die Wild Turkey Farm am Rand von Wilsonville, südlich von Portland, im Bundesstaat Oregon nennt die Amerikanerin seit drei Jahren ihr Zuhause. Und mit ihr ihre Holsteiner Pferde, darunter auch der Reservesieger der vergangenen Körung, Coruscant. 
Seit ihrer Kindheit träumt Barbara Ellison diesen einen Traum: eine erstklassige Farm zu besitzen, auf der Pferde gezüchtet, ausgebildet und vermarktet werden. Mit den Holsteinern angefangen hat es im Jahr 1995. Ihr wurde der fünfjährige Liostro-Calypso II-Sohn Liocalyon (Z.: Hans-Joachim Gerken) zum Kauf angeboten. „Ich habe ihn nur auf einem Video gesehen, aber den Kauf nie bereut“, erzählt Barbara Ellison. Kein Wunder, denn der Hengst wurde später zu einem der Erfolgspferde ihrer Tochter Megan. Zum Beispiel der FEI North American Young Riders Tour über 1,50 Meter oder aber in Spruce Meadows war das Paar erfolgreich. Barb Ellison lebte zu dieser Zeit mit ihrem damaligen Ehemann Larry Ellison (Gründer des Softwarekonzerns Oracle und Sieger beim America’s Cup 2013) im kalifornischen Woodside noch auf einer elf Hektar großen Farm. Heute ist Liocalyon das Aushängeschild der Deckstation der Wild Turkey Farm und genießt seinen Ruhestand vom Sport. Und Barbara Ellison gehört dem Vorstand der American Holsteiner Horse Association (AHHA) an.
  
Sieben Holsteiner Hengste
Lio, wie der Braune aus dem Stamm 741, genannt wird, ist einer von neun gekörten Hengsten der Hengststation auf der Wild Turkey Farm. Sieben dieser Vererber sind Holsteiner. Einer von ihnen ist Crown Affair v. Cor de la Bryere-Capitol I (Z.: Friedrich Meyer), der vor allem als Hunter viele Erfolge feiern konnte. Die Box neben Crown Affair bewohnt der zwölfjährige Lamarque v. Lansing-Lord Calando (Stamm 308) aus der Zucht von Gerd Magens. Über Harm Sievers wechselte der Hengst 2007 in den Stall in die USA und konnte inzwischen unter Ellison’s Bereitern Mandy Porter und Söhnke Theymann einige Große Preise gewinnen. Einer von den älteren, aber dafür umso erfolgreicheren Hengsten im Stall ist 22 Jahre alte Lavita v. Laturo-Capitol I (Z.: Hermann Ehling; Basedow). Bis zum Jahr 2002 ging er unter Mandy Porter ebenfalls erfolgreich im Grand-Prix-Sport. Der neueste Hengstzugang mit Holsteiner Genen ist gerade drei Jahre alt geworden und hat dennoch schon einiges vorzuweisen. Corusant v. Connor-Cristo (Z.: Manfred Johannsen, Tornesch), den Reservesieger der 43. Körung, hat Barb Ellison bei ihrem ersten Besuch in Neumünster ersteigert. „Ich denke, nach Neumünster komme ich jetzt jedes Jahr“, hat sie anschließend verraten. Coruscant ist, wie Harm Johannsen berichtete, zunächst in Tornesch geblieben, um seinen 30-Tage-Test abzulegen.
 
Fünf Sterne für die Vierbeiner
Ellisons Pferde leben auf einer Reitanlage, der man ohne weiteres Fünf-Sterne-Status attestieren kann. Doch bis die die Wild Turkey Farm zum Inbegriff des Pferde-Luxus‘ wurde, verging viel Zeit. Zehn Jahre hat es etwa gedauert – von der ersten Besichtigung bis hin zum Einzug. Auf dem rund 215 Hektar großen Areal gab zu Anfang nichts. „Keinen Strom, keine Wasserleitungen, keine Kanäle und kein Telefon, nichts“, erzählt Barbara Ellison, die früher selbst als Amateur im Springsattel erfolgreich war. Zehn Meilen Leitungen wurden verlegt, um die Wild Turkey Farm mit der Außenwelt zu verkabeln. Der Kauf der Immobilie, scherzt Ellison, sei der einfachste Teil gewesen. „Aber dafür gibt es herrlich viel Platz.“ Und das Klima eignet sich in Orgeon für die Aufzucht von Pferden. Insgesamt vier Stalltrakte gibt es für die knapp 100 Pferde der Wild Turkey Farm. Einen für die Hengste, einen für die Zuchtstuten, einen für die Sportpferde und einen für Pferde im Ruhestand. Ein 30-köpfiges Team aus Reitern, Tierärzten, Schmied, Zucht- und Stallmanagern kümmert sich rund um die Uhr um das Wohl der Pferde. Und das ist es auch, was Barbara Ellison bei der Planung der Wild Turkey Farm stets im Kopf hatte: Was ist das Beste für meine Pferde? 

Licht, Luft & Platz
Die Reithalle, deren Sand aus dem nahegelegenen Columbia River stammt, misst etwa 40 mal 75 Meter, das Dach ist aus Spezialglas, das das Licht diffundiert. Bei den verbauten Materialien hat sie auf regionalen und nachhaltigen Charakter geachtet. Zedern und Eichen für die Ställe, Steine aus der Nähe von Montana für die Außenfassade der Scheune. Die Liebe zum Detail ist unverkennbar. Eine Bronzestatue ihres Lieblingspferdes Liocalyon „galoppiert“ scheinbar am Eingang der Reithalle vorbei. 44 Weiden, von einem Hektar Größe für die Hengste bis zu sieben Hektar für die Stuten und Fohlen, wurden angelegt. Entweder mit Gras oder einem Allwetter-Boden. Es fehlt an nichts. Ein ungestörter Arbeitsplatz für den Schmied, einer für den Tierarzt und eine voll ausgestattete Besamungsstation mit Labor auf dem neuesten Stand der Technik– alles wurde bei der Planung wohl durchdacht. Das Training der Turnierpferde auf der Farm liegt in deutscher Hand. Der gebürtige Westfale Söhnke Theymann lebt seit einigen Jahren in Amerika. Bevor er auf der Wild Turkey Farm anheuerte, ritt er für die El Campeon Farms in Kalifornien. Er betreut etwa 15 Reitpferde, bildet den Nachwuchs aus und fährt zu Turnieren. Zu Theymanns Top-Pferden zählen neben dem Hengst Lamarque die zehnjährige Ultima V v. Calato-Langata Express xx, die dreijährig über den Stall Hell in Barbara Ellisons Besitz kam, und Casallino v. Casall-Lord. Beachtliche Erfolge in Großen Preisen und Weltcup-Prüfungen erreichte er mit den Holsteinern der Wild Turkey Farm bisher. Auch Turniere gibt es einige in der näheren Umgebung. Vor allem für junge Pferde. Und den Thunderbird Show Park in Langley, British Columbia, erreicht man nach „einer überschaubaren, fünfstündigen Fahrt“, verrät Barb Ellison. Spruce Meadows ist etwa 15 Autostunden entfernt. Allerspätestens jetzt ist klar: Amerika lebt und denkt in ganz anderen Dimensionen. 

Leistungsstarke Blutlinien
Im Stutenstall kommen jedes Jahr sieben bis acht Fohlen zur Welt. Viele der 23 Stuten sind Holsteiner oder tragen holsteiner, belgische, französische oder KWPN-Gene in sich. Unter ihnen ist zum Beispiel auch die belgische Schimmelstute Summer, die an den Weltcup-Finals in Göteborg und Las Vegas teilgenommen hat. „Ich beschäftige mich intensiv mit Blutlinien, die auch im Sport erfolgreich gewesen sind. Sie bilden die Grundlage jeder guten Zucht“, so Ellisons Philosophie. Neben ihren eigenen Hengsten paart Barbara Ellison sie zum Beispiel mit Contefino, Ariadus, Quinar oder Limoncello II an, der seit November auf der Wild Turkey Farm aufgestellt ist. Auf die Frage, was sie an den Holsteiner Pferden besonders möge, antwortet sie ohne zu überlegen: ihr Temperament und ihren Look – und das Springen natürlich! „So wie Contender – er ist mein Favorit!“ Barbara Ellison ist eine Pferdefrau durch und durch. Züchterin, Reiterin und Mäzenin. Und eine sehr zurückhaltende, die durch ihre „down-to-earth“-Mentalität viele Sympathien innehat. Carolin Diederich
Termine

04. 02. 2017

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04. 02. 2017

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