Cascadello ist der Liebling

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Zu Besuch bei Prof. Bernd Heicke

Seine Begeisterung für das Holsteiner Pferd entfachte einst ein Wallach namens Fando. Das war in den 1980er Jahren. Diese Begeisterung ist bei Prof. Bernd Heicke bis heute ungebrochen. Carolin Diederich hat ihn und seine Familie auf dem Gestüt Fohlenhof in Haßloch besucht.

Der Holsteiner sei der Mercedes unter den Springpferden – an diese Worte seines damaligen Reitlehrers Edwin Hofmann erinnert sich Prof. Bernd Heicke bis heute sehr gut. Also machte sich der habilitierte Humanmediziner und Unternehmer einst auf den Weg nach Elmshorn. Im Rahmen einer Auktion im Jahr 1979 erwarb er den damals dreijährigen Fando v. Farnese-Cor de la Bryère. Zunächst verblieb Fando zur weiteren Ausbildung bei Herbert Blöcker, bevor der Dunkelbraune zu Prof. Heicke nach Hessen kam. „Aus diesem ersten Kontakt zu den Holsteinern entwickelte sich ein sehr gute Beziehung mit Herbert Blöcker“, erinnert sich der gebürtige Magdeburger gerne zurück.

Mit 80 noch im Sattel
Als Ausgleich zu einem erfüllten Berufsleben diente stets der Reitsport. Heute sitzt Prof. Heicke, der vor wenigen Tagen seinen 80. Geburtstag feierte, immer noch regelmäßig im Sattel. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben und dem Verkauf der Firma, einem Institut für medizinische Diagnostik, begab sich die Familie Heicke auf die Suche nach einer neuen Wirkungsstätte für sich und ihre Pferde. „Unser damaliges Zuhause in Rheinhessen war räumlich doch begrenzt und der Ausbau gestaltete sich schwierig. Schließlich entdeckte meine Frau Ingrid den Fohlenhof, wo einst Vollblüter gezüchtet wurden. Das war im Jahr 2007.“ Das Gehöft war sanierungsbedürftig, bot aber mit 15 Hektar arrondiertem Land und angrenzendem Wald optimale Voraussetzungen für Zucht und Sport. 

Pferde sind Familiensache
Das Gestüt wurde nach modernen und funktionalen Standards saniert und erweitert – ohne dabei die ursprüngliche Struktur und den Charme des alten Vollblutgestüts einzubüßen. Mittlerweile leben wieder rund 65 Pferde auf dem Fohlenhof. Neben den zahlreichen Holsteiner Springpferden sind das auch viele Dressurpferde. Denn die Frauen der Familie Heicke, Gattin Ingrid und Tochter Claudia, sind ausgesprochene Dressurfans. 

Ein richtiger Holsteiner
Ganz besondere Erinnerungen verbindet die gesamte Familie mit der Holsteiner Körung 2011. Sie reisten nach Neumünster und schauten sich das Freispringen der Hengste an. Als die Katalognummer 18 die Holstenhalle betrat, wurde nicht nur das gesamte Publikum, sondern auch Prof. Heicke auf Cascadello I aufmerksam. Und an diesen Moment erinnert sich Prof. Heicke noch ganz genau: „Ich saß neben Peter Luther auf der Tribüne. Und als Cascadello selbstbewusst auftrat und zu springen begann, sagte er: Endlich ein richtiger Holsteiner!“. Das was Peter Luther gesagt habe, sei wirklich von Herzen gekommen, da ist sich Prof. Heicke heute noch sicher. In einem spannenden Bieterduell ersteigerte er Cascadello, der als erster Reservesieger seine Körung verließ, auf der anschließenden Auktion. 
Nur ein Jahr später erwarb er den ebenfalls gekörten Vollbruder, Cascadello II. „Auch Cascadello II gefiel uns sehr gut.“, so sein Besitzer. Ausschlaggebend war jedoch auch das enge Vertrauensverhältnis mit den Züchtern Reimer Hennings und Fiete Mehrens und der gemeinsame Wille, diese wertvolle Genetik für die Holsteiner Züchter zu erhalten. Aber nicht nur ein Springpferd begleitete die Familie Heicke von dieser Auktion mit nach Hause. Auch auf der Reitpferdeauktion waren sie erfolgreich als Bernd Heicke für seine Frau den De Chirico-Sohn De Londo erwarb. De Londo ist heute achtjährig und unter seinem Ausbilder, Ingo Menze, auf dem Weg, Lektionen der schweren Klasse zu erlernen. „Auch mit De Londo sind wir sehr glücklich. Er ist ein Pferd mit viel Potenzial, das wir schonend ausbilden“, erklärt Claudia Heicke. Überhaupt sei darauf ihre Arbeit in Sachen Pferde ausgelegt: „Wir bilden ganz in Ruhe aus. Die Pferde bekommen einfach die Zeit, die sie brauchen, um sich entsprechend entwickeln zu können.“

Ein gutes Team

Neben der Hengsthaltung und der eigenen Zucht – auf dem Fohlenhof wird mit einigen sportlich geprüften Stuten gezüchtet – nimmt die Ausbildung den größten Raum ein. Von den ersten Schritten bis in die schwere Klasse werden die Pferde auf dem Fohlenhof in Haßloch nach den klassischen Regeln der Reitlehre ausgebildet.
Für die gekörten Hengste beginnt die Arbeit allerdings sehr früh. „Der Ausbildungsweg eines Deckhengstes ist leider stark vorgezeichnet. Wenn man den Anschluss an die Konkurrenz nicht verlieren möchte, muss man da mitziehen“, bedauert Claudia Heicke. Die anderen Pferde bekommen auf dem Fohlenhof mehr Zeit – so wie es der Überzeugung der Familie Heicke entspricht.
Für die Ausbildung haben sie sich ein starkes Team aufgebaut: Die Springhengste, wie Cascadello I und II betreut bekanntermaßen Dirk Ahlmann, der auch den Beritt von Calmando v. Calido I-Carpaccio übernommen hat. Er stellt sie auf ausgewählten Turnieren vor. „Calmando haben wir im vergangenen Jahr von Ludger Beerbaum erworben. Das passte gut ins Konzept. Denn mit ihm kann Dirk an internationalen Turnieren teilnehmen und gleichzeitig die jüngeren Hengste in den Youngster-Touren reiten“, erläutert Prof. Heicke den Kauf des neunjährigen und bereits international erfolgreichen Calmando.
Für die Dressurhengste wurden Kooperationen mit Top-Ausbildern wie Dorothee Schneider, Isabell Werth und Johann Hinnemann eingegangen. Und für den täglichen Betrieb zuhause ist neben Claudia Heicke und Ingo Menze die Familie Müller zuständig. Fritz Müller als Gestütsleiter, Ehefrau Olive für die Arbeit mit den jungen Pferden und Tochter Kathrin Müller für die Ausbildung der Springpferde bis zur schweren Klasse. 

Charleston überzeugte

Zur vergangenen Holsteiner Körung sind die Heickes eigentlich ohne Kaufabsichten gefahren. „Wir haben genug Pferde“, lautete der Plan. Eigentlich. „Aber wir wollten sehen, wie die ersten Nachkommen von Cascadello I sich auf der Körung zeigen“. Doch dann hatte es ihnen ein Pferd besonders angetan: „Nach dem Freispringen war ich von einem Hengst mehr als überzeugt“. Und das war Charleston v. Cascadello I-Cantus, der spätere Siegerhengst. Wie schon den Vater, ersteigerte Prof. Heicke auch Charleston über die anschließende Auktion. Ebenso wie zwei weitere, nicht gekörte Cascadello I-Söhne: Casandos und Cascar.
„Wir haben die gerade dreijährig gewordenen Hengste nun seit zwei Wochen unter dem Sattel. Cascadello I-Söhne und auch Nachkommen anderer Hengste.“ Doch eines falle schon ganz zu Anfang der Ausbildung auf: Die Cascadello I-Kinder sind absolut leistungsbereit und unkompliziert in der Arbeit. So wie er selbst auch. „Cascadello ist einfach mein Liebling“, schwärmt Prof. Heicke. 

Parallele Förderung
Was die Familie Heicke anpackt, hat System. Diese Erkenntnis bleibt nicht lang verborgen. So kauft Prof. Heicke nicht nur talentierte Pferde und lässt sie professionell ausbilden. Auch begabte und ambitionierte Reiter fördert er. Der Gedanke dahinter klingt plausibel: „Für mich sollte die Förderung von Reitern und Pferden immer parallel laufen. Das ist mein Motiv“, erklärt er. So erwarb er beispielsweise den Franzosen Samourai du Thot und stellte ihn dem DOKR bzw. Julia Krajewski für die Vielseitigkeit zur Verfügung. Das gleiche gilt für den Holsteiner Sunsalve und Hannes Ahlmann. Mit Erfolg: So reiten Julia Krajewski und Samourai international höchst erfolgreich und Hannes Ahlmann und Sunsalve gewannen Gold bei den Europameisterschaften der Children mit einer überwiegend aus Holsteiner Jugendlichen bestehenden Mannschaft. Das dürfte den Förderer besonders gefreut haben. Denn die Holsteiner Jugendlichen unterstützt Prof. Heicke in den Stützpunktturnieren des Landestrainers Detlef Peper.
In der Vielseitigkeit, die ihm ebenfalls sehr am Herzen liegt, hat er mit dem von ihm gestifteten U25-Förderpreis Vielseitigkeit einen attraktiven Beitrag zum Nachwuchsförderprogramm des DOKR geschaffen. „Ich finde es wichtig, dass wir den jüngeren Reitern das Gefühl geben, nicht immer nur hinter den Großen her reiten zu müssen. Sie sollen sich auch hin und wieder untereinander messen können. Nachwuchspreise sind dazu eine wunderbare Gelegenheit“, lautet die Idee hinter Projekten, wie dem U25-Förderpreis.
Bei allen sportlichen Ambitionen und Gedanken ist es besonders die menschliche Seite, die diese Familie auszumachen scheint. Für sie ist das Pferd eben kein Sportgerät. „Wir sind Pferdefreunde mit Leib und Seele“, heißt es unisono. Die Mischung ist es, die Prof. Bernd Heicke und seine Familie so sympathisch macht. Die Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leidenschaft. Und die Liebe zum Pferd.

Termine

04. 02. 2017

Am 4. Februar 2017 werden sich die Holsteiner Verbandshengste in ...

04. 02. 2017

11.00 Uhr Körbezirk Auswärtige Mitglieder,Neumünster, ...

15. 02. 2017

Am 15. Februar um 18.30 Uhr ist es wieder soweit: In Paderborn findet ein ...